Ein Girokontowechsel kann Gebühren senken und Leistungen verbessern. Damit keine Lastschrift zurückgeht oder ein Gehalt auf dem falschen Konto landet, sollte der Wechsel in mehreren kontrollierten Schritten erfolgen. Gesetzliche Kontenwechselhilfe und digitale Wechselservices können unterstützen, ersetzen aber nicht die eigene Abschlusskontrolle.
Kurzantwort: Eröffnen und testen Sie zuerst das neue Konto, übertragen Sie anschließend Zahlungspartner und Daueraufträge und führen Sie beide Konten vorübergehend parallel. Schließen Sie das alte Konto erst, wenn alle Buchungen, Karten, Unterlagen und ein möglicher Dispo geklärt sind.
Vor dem Wechsel ein passendes Girokonto auswählen
Vergleichen Sie Grundgebühr, Mindestgeldeingang, Karten, Bargeld, Auslandskosten, Dispozins und Bonusbedingungen.
Girokonten vergleichenGirokonto wechseln in sieben Schritten
- Neues Konto auswählen: Gesamtkosten und Bedingungen anhand der eigenen Nutzung vergleichen.
- Konto eröffnen: Legitimation abschließen und IBAN, Onlinebanking sowie Karten abwarten.
- Funktionen testen: Anmeldung, Überweisung, App, TAN-Verfahren und Karte prüfen.
- Wechselhilfe beauftragen: Gewünschte Daueraufträge, Lastschriften und Zahlungseingänge festlegen.
- Wichtige Stellen selbst informieren: Arbeitgeber, Vermieter, Energie, Versicherungen und Behörden kontrollieren.
- Konten parallel führen: Auf beiden Konten ausreichende Deckung halten und Buchungen beobachten.
- Altes Konto schließen: Erst nach Abschlusskontrolle, Dokumentensicherung und Ausgleich des Saldos.
Was ist die gesetzliche Kontenwechselhilfe?
Nach dem Zahlungskontengesetz müssen Zahlungsdienstleister Verbraucherinnen und Verbraucher auf Wunsch beim Wechsel eines Zahlungskontos unterstützen, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Der Wechsel wird über das neue, empfangende Institut eingeleitet. Dafür erteilen die Kontoinhaber eine Ermächtigung und bestimmen, welche Leistungen ausgeführt werden sollen.
Nach Erhalt der Ermächtigung muss das neue Institut den bisherigen Anbieter grundsätzlich innerhalb von zwei Geschäftstagen zur Ausführung der ausgewählten Schritte auffordern. Dazu können Listen zu Daueraufträgen, verfügbaren Lastschriftmandaten sowie Informationen über relevante Buchungen der vorangegangenen Monate gehören.
Gesetzliche Hilfe und digitaler Wechselservice
| Variante | Funktionsweise | Darauf achten |
|---|---|---|
| Gesetzliche Kontenwechselhilfe | Standardisierter Ablauf nach Zahlungskontengesetz | Ermächtigung, ausgewählte Leistungen und Termine genau prüfen |
| Digitaler Wechselservice | Analysiert häufig Kontoumsätze und erstellt Zahlungspartnerlisten | Datenschutz, Vollständigkeit und tatsächliche Benachrichtigung kontrollieren |
| Manueller Wechsel | Zahlungspartner werden selbst ermittelt und informiert | Mehr Aufwand, aber direkte Kontrolle über jeden Vorgang |
Ein bankeigener digitaler Service ist nicht automatisch identisch mit der gesetzlichen Kontenwechselhilfe. Fragen Sie, welcher Prozess verwendet wird, welche Daten verarbeitet werden und wer bei Fehlern Ansprechpartner ist.
Diese Zahlungspartner müssen geprüft werden
| Eingehende Zahlungen | Ausgehende Zahlungen |
|---|---|
| Arbeitgeber oder Auftraggeber | Miete und Nebenkosten |
| Rente und Versorgungsbezüge | Strom, Gas, Wasser und Telekommunikation |
| Familienkasse und Sozialleistungen | Versicherungen und Mitgliedschaften |
| Finanzamt und Erstattungen | Kredite, Leasing und Sparpläne |
| Miet- oder Nebenkostenerstattungen | Streaming, Shops und App-Abonnements |
| Unterhalt und regelmäßige Privatüberweisungen | Steuern, Gebühren und Spenden |
Daueraufträge, Lastschriften und hinterlegte Karten
Daueraufträge werden vom eigenen Konto ausgelöst und können auf dem neuen Konto neu eingerichtet werden. Lastschriften werden vom Zahlungsempfänger eingezogen; dieser benötigt die neue IBAN. Zusätzlich müssen hinterlegte Kartendaten bei Onlinehändlern, Mobilitätsdiensten, Wallets und Abonnements aktualisiert werden.
Seltene Jahreszahlungen werden in kurzen Umsatzlisten leicht übersehen. Kontrollieren Sie deshalb mindestens einen vollständigen Jahreszeitraum Ihrer Kontoauszüge und berücksichtigen Sie Zahlungen, die nur quartalsweise oder jährlich vorkommen.
Wie lange sollten beide Konten parallel laufen?
Eine feste Dauer passt nicht zu jedem Zahlungsprofil. Das alte Konto sollte so lange bestehen, bis regelmäßige und seltene Buchungen umgestellt, Karten ersetzt und Rückerstattungen geklärt sind. Für die Übergangszeit gehört auf beide Konten ausreichend Guthaben, damit keine Rücklastschrift entsteht.
Dispo und negativer Kontostand
Ein bestehender Dispositionskredit wird nicht auf das neue Konto übertragen. Das neue Institut entscheidet separat über einen möglichen Rahmen. Ein negativer Saldo beim alten Konto muss vor der Schließung ausgeglichen oder ausdrücklich geregelt werden. Planen Sie nicht mit einem neuen Dispo, bevor er tatsächlich bestätigt wurde.
Gemeinschaftskonto und Vollmachten
Bei einem Gemeinschaftskonto müssen regelmäßig alle Kontoinhaber den Wechsel und die Ermächtigung mittragen. Prüfen Sie, ob das neue Konto dieselbe Verfügungsform unterstützt und ob Vollmachten neu erteilt werden müssen. Partnerkarten, Unterkonten und Zugriffsrechte werden nicht automatisch übernommen.
Karten und digitale Wallets umstellen
- Neue Debit- und Kreditkarten aktivieren und PIN testen.
- Alte Karten erst nach erfolgreichem Übergang vernichten.
- Apple Pay, Google Wallet und andere Wallets aktualisieren.
- Kartendaten bei Hotels, Mobilitätsdiensten und Abonnements ersetzen.
- Offene Kartenumsätze und Kautionsblockierungen abwarten.
- Partner- und Zusatzkarten separat berücksichtigen.
Bonusbedingungen nicht zum Wechselrisiko machen
Wechselboni können an Gehaltseingang, aktive Nutzung, Anzahl von Buchungen oder Mindestlaufzeit gebunden sein. Dokumentieren Sie die Bedingungen und erfüllen Sie keine unnötigen Ausgaben nur für einen Bonus. Entscheidend bleiben dauerhafte Kosten und Leistungen nach dem Aktionszeitraum.
Unterlagen vor der Kontoschließung sichern
- Kontoauszüge und Jahressteuerbescheinigungen
- Entgeltaufstellungen und Zinsabrechnungen
- Nachweise über Daueraufträge und Lastschriften
- Bestätigung des Kontowechselauftrags
- Kommunikation zu Reklamationen und Rückerstattungen
- Schließungsbestätigung und letzter Kontostand
Nach der Schließung kann der Onlinezugang schnell entfallen. Speichern Sie benötigte Dokumente vorher in einem dauerhaft lesbaren Format.
Kontowechsel-Checkliste
- Neues Konto nach realistischen Jahreskosten auswählen.
- Onlinebanking, TAN-Verfahren und Karten vollständig testen.
- Umsätze eines vollständigen Jahres auswerten.
- Gesetzliche oder digitale Wechselhilfe bewusst auswählen.
- Wichtige Zahlungspartner zusätzlich selbst bestätigen lassen.
- Daueraufträge mit Betrag und Ausführungstag kontrollieren.
- Genügend Guthaben auf beiden Konten vorhalten.
- Dispo, Kredite, Pfändungen oder offene Reklamationen klären.
- Dokumente und Steuerunterlagen herunterladen.
- Altes Konto schriftlich schließen und Bestätigung aufbewahren.
Wenn beim Wechsel etwas schiefgeht
Dokumentieren Sie Auftrag, Fristen, Nachrichten und entstandene Kosten. Wenden Sie sich zunächst an die beteiligten Institute. Das Zahlungskontengesetz enthält Haftungsregeln für Schäden aus Pflichtverletzungen bei der Kontenwechselhilfe. Ob ein konkreter Anspruch besteht, hängt vom Einzelfall ab.
Offizielle Quellen
- Zahlungskontengesetz: Kontenwechselhilfe
- BaFin: Ermächtigung zur Kontenwechselhilfe
- BaFin-Kontenvergleich: Auswahlkriterien
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Kontowechsel?
Das hängt von Kontoeröffnung, Ermächtigung, beteiligten Instituten und Zahlungspartnern ab. Planen Sie eine kontrollierte Parallelphase statt einer sofortigen Schließung.
Ist der Kontowechselservice kostenlos?
Für gesetzlich geregelte Informationsübermittlungen bestehen besondere Entgeltregeln. Zusatzdienste und eine Kontoschließung können je nach Vertrag anders behandelt werden; prüfen Sie das Preisverzeichnis.
Wer informiert Arbeitgeber und Vermieter?
Die Wechselhilfe kann ausgewählte Zahlungspartner unterstützen. Bei besonders wichtigen Stellen sollte der neue Zahlungseingang oder Lastschrifteinzug trotzdem selbst kontrolliert werden.
Kann die alte IBAN automatisch weiterleiten?
Eine dauerhafte automatische Weiterleitung ist nicht vorauszusetzen. Verlassen Sie sich nur auf eine ausdrücklich bestätigte Funktion.
Was passiert mit dem Freistellungsauftrag?
Er wird nicht automatisch auf eine andere Bank übertragen. Prüfen und ändern Sie bestehende Freistellungsaufträge gesondert.
Fazit
Ein Girokontowechsel wird sicher, wenn Auswahl, Übertragung und Schließung getrennt behandelt werden. Nutzen Sie den Kontowechselservice, kontrollieren Sie aber wichtige Zahlungspartner selbst und führen Sie beide Konten vorübergehend parallel. Das passende Zielkonto finden Sie im Girokonto-Vergleich und in der aktuellen Angebotsübersicht.
Stand: August 2026. Abläufe, Gebühren und Bedingungen können sich ändern. Dieser Beitrag ist keine individuelle Finanz- oder Rechtsberatung. Maßgeblich sind das Zahlungskontengesetz und die aktuellen Vertragsunterlagen der beteiligten Institute.
